Ausstellung „Poser pour la liberté | Standing for Freedom“ mit Vernissage und Finissage

Die Idee der Ausstellung

Was bedeutet es, als Wissenschaftler*in das eigene Land verlassen zu müssen? Wie steht es um die Wissenschaftsfreiheit und das Wissenschaftsexil in Europa? Dies sind Themen der Ausstellung „Standing for Freedom – Poser pour la liberté“, in deren Mittelpunkt Forschende im Exil und das Thema des Wissenschaftsexils stehen. Zu sehen war die Ausstellung vom 25. März bis zum 15. April in der neuen Kassenhalle im alten Sparkassengebäude am Brill. Dem CaNoFF (Campus Nord für Frankreich und Frankofonie) und der Universität Bremen war es mit finanzieller Unterstützung des Institut français d’Allemagne (Berlin) gelungen, diese wichtige Ausstellung auch in Bremen zeigen zu können. Eröffnet wurde die Ausstellung mit einer Vernissage am 25. März um 18:00 Uhr in Anwesenheit des Fotografen und Co-Kurators Pierre-Jérôme Adjedj, der eine Einführung in das Thema und die Gestaltung der Ausstellung gegeben hat.

Im Mittelpunkt der englisch- und französischsprachigen Ausstellung stehen fünfzehn Porträts von Wissenschaftler*innen, die ins Exil gezwungen wurden. Der thematische Bogen der Ausstellung ist weit gespannt, er reicht von der Geschichte des Wissenschaftsasyls über Forschende in Lebensgefahr, Wissenschaft im Exil bis hin zu aktiven Formen der Solidarität.

Die Ausstellung ist an der Schnittstelle zwischen wissenschaftlicher Forschung und Kunst entstanden: Ausgangspunkt war das Forschungs- und Kreativprojekt Blick auf das erzwungene wissenschaftliche Exil von gestern und heute (RESTRICA), das von Pascale Laborier, Professorin an der Universität Paris-Nanterre am Institut des sciences sociales du politique und dem Fotografen Pierre-Jérôme Adjedj entwickelt wurde. In Zusammenarbeit mit dem PAUSE-Programm (Programme national d’accueil en urgence des scientifiques en exil) und der Open Society Foundation wurden 55 Porträts von exilierten Akademikern und ihren Gastgebern erstellt. Die Ausstellung zeigt 15 dieser Porträts. Der Katalog zur Ausstellung enthält weitere der Porträts sowie von den fotografierten Personen verfasste Texte.

Seit ihrer Entstehung im März 2021 in der Cité du Design in Saint-Étienne wurde die Ausstellung 27 Mal in Frankreich, Deutschland, Belgien, Uruguay und den USA gezeigt (weitere Informationen finden Sie auf der Website www.standingforfreedom.eu).

Vernissage

© Pauline Blache

Bei der Vernissage war der Künstler Pierre-Jérôme Adjedj persönlich anwesend und hat nach einer Einführung durch Dr. Johanne Mohs über die Entstehungsgeschichte, die philosophischen Ideen sowie die besondere Aufnahmesituation der Fotografien gesprochen. Hierbei wurde mit Spiegeln gearbeitet, um den Effekt mehrerer „Ebenen“ zu erzeugen, die im endgültigen Bild übereinander liegen. Dies geschieht nicht durch Mehrfachbelichtung und Nachbearbeitung, sondern durch eine einzige Momentaufnahme, die eine 1–2 minütige Belichtungszeit erfordert, während welcher die Wissenschaftler:innen komplett still halten müssen. Auf diesen verschiedenen Ebenen sind diverse, für die jeweilige Forscher:in oder Künstler:in wichtige Objekte zu erkennen, die sowohl die Zeit vor dem Exil als auch die Zeit nach dem Exil darstellen und symbolisieren. Auf Plexiglas gedruckt ergibt dies eine ineinander übergehende, mehrschichtige Durchsichtigkeit. Dem Künstler ist mitunter wichtig, dass die Forscher:innen und Künstler:innen nicht nur dadurch definiert oder darauf reduziert werden, dass sie exiliert sind – wie es leider zu oft passiert – sondern dass ihre Identität vor dem Exil nicht vergessen wird.

Finissage

Im Rahmen der Finissage hat ein Podiumsgespräch mit der Ethnologin und Kulturwissenschaftlerin Cordula Weißköppel von der Universität Bremen und dem Bremer Autor und PEN-Deutschland-Vertreter Andreas Rumler über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Wissenschaftler:innen und Autor:innen im Exil stattgefunden.

Welche Auswirkungen haben die oft traumatischen Fluchterfahrungen auf die Betroffenen? Welche Möglichkeiten finden Sie in Deutschland vor, um Ihrer Arbeit weiterhin nachgehen zu können? Diesen Fragen wurde in der Podiumsdiskussion nachgegangen und es wurden interessante Antworten aus zwei verschiedenen Perspektiven produktiv gegenübergestellt. Das Publikum hat sich dabei auch rege eingebracht und mit zu diesen spannenden und wichtigen Fragen diskutiert.
Im Nachgang an die Diskussion wurde das Gespräch bei Getränken und ein paar Snacks geöffnet, wodurch sich nicht nur ein schöner Abend sondern auch die Ausstellung passend schließt.

© Yannick Lemasson