Lesung mit Scholastique Mukasonga

Der schöne Musiksalon des Institut Français war im Rahmen der literarischen Woche zu der Lesung von Scholastique Mukasonga bis auf den letzten Platz gefüllt – zu Recht! Die französiche Autorin mit ruandischen Wurzeln hat in den letzten zwanzig Jahren ein beeindruckendes Werk vorgelegt und wird nun auch in Deutschland wahrgenommen. Seit Mukasonga 2012 für ihren Roman „Notre-Dame du Nil“ den Prix Renaudot bekommen hat, veröffentlicht sie mit einer erstaunlichen Regelmäßigkeit neue Bücher. Alle zwei Jahre erscheint ein neuer Roman, immer geht es um Ruanda, um den Genozid an den Tutsi, dem die Autorin, im Gegensatz zu ihrer Familie, entkommen konnte, und um die historischen Bedingungen, die den Genozid heraufbeschworen haben. Für ihren Roman „Sister Deborah“ von 2022, der seit 2025 auch in ins Deutsche übersetzt ist, hat Mukasonga sich in die 1930er Jahre begeben und dem religiösen Konflikt gewidmet, der zu dieser Zeit zwischen dem Katholizismus der belgischen Kolonialherren und protestantischen afro-amerikanischen Bewegungen aufkam.
Inmitten dieses Konflikts sucht die Hauptfigur Sister Deborah ihren Weg – eine Heilerin, die an die ruandische Legende der Nyabinghi erinnert. Wie Mukasonga im Gespräch mit den Literaturwissenschaftler:innen Nelson Sindze Wembe und Johanne Mohs erklärte, identifiziert sie sich mit der mündlichen Erzähltradition ihres Volkes und versucht mit ihren Texten die verdrängten ruandischen Bräuche und Geschichten wieder aufleben zu lassen. Dass sie eine große Erzählerin ist, hat sie auch auf der Bühne in Bremen bewiesen!

© Uni Bremen

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