Performanz ist in den Gegenwartskulturen zu einem Paradigma avanciert, das zugleich Leistung und außenwirksame Inszenierung, Anspruch und Praxis meint. Kultur als Inszenierung und des Inszenierens und damit die Erzeugung von Sinn und Bedeutung über performative Praktiken hat es zwar zu allen Zeiten gegeben. Die ökonomisch und digital globalisierte Gegenwart scheint jedoch ganz besonders von Phänomenen der performance geprägt zu sein, wird ihr Ge- oder Misslingen häufig sogar zum begrifflichen Maßstab von ökonomischem oder gesellschaftlichem Erfolg. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass das Konzept der Performanz seine Ursprünge zwar in der linguistischen Theorie der Sprechakte hat, aber in zahlreichen Disziplinen aufgegriffen und weiterentwickelt wurde.
In dieser Forschungsachse sollen die Praktiken der Performance mit den vielschichtigen Phänomenen der Medialität in diachroner und synchroner Perspektive im Kontext ihrer gesellschaftlichen und diskursiven Bedingungen zusammen gedacht werden. Denn: Mediale und modale Transgressionen bestimmen seit jeher zahlreiche literarische und kulturelle Texte und kommen noch potenzierter im Zeitalter von audiovisuellen Medien und Digitalisierung (bis hin zur Künstlichen Intelligenz) zum Tragen. Diese Inter- und Transmedialitäten bringen einerseits ein reiches Forschungsfeld an französischsprachigen Untersuchungstexten vom 16.-21. Jahrhundert hervor, das gleichermaßen die lokalen Spezifika in den Blick nimmt wie die globalen Verweisstrukturen herausarbeiten kann. Andererseits reflektieren sie kritisch literaturtheoretische Konzepte insbes. französischer und frankophoner Provenienz wie Text, Literatur oder Werk, écriture, créolisation oder littérature-monde.
Mit der Fokussierung der Performativität und Medialität von Erinnerungskulturen leistet CaNoFF einen Beitrag zur Erforschung individueller und kollektiver Inbezugsetzungen zur Vergangenheit, die die Selbst- und Fremdbilder Frankreichs und der Frankophonie bis heute prägen. Dabei ist Erkenntnisinteresse insbesondere auf die mediale Ereignishaftigkeit, auf kulturelle Praktiken und Szenographien gerichtet, die zwischen Vergangenheit und Gegenwart vermitteln und diese in ein dynamisches Verhältnis setzen.
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