{"id":1949,"date":"2026-06-17T12:16:53","date_gmt":"2026-06-17T10:16:53","guid":{"rendered":"https:\/\/canoff.de\/?p=1949"},"modified":"2026-06-17T12:27:10","modified_gmt":"2026-06-17T10:27:10","slug":"mate-ni-kani-zu-besuch-an-der-universitaet-bremen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/canoff.de\/?p=1949","title":{"rendered":"Mate ni kani\u00a0zu Besuch an der Universit\u00e4t Bremen\u00a0"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Bericht von Ella Schulz, Studentin der Romanistik an der Universit\u00e4t Bremen<\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stellen Sie sich ich vor, Sie kommen in die Schule und sollen in einer Sprache lesen und schreiben, die sie nicht einmal m\u00fcndlich beherrschen \u2013 so geht es vielen Kindern in Niger. Niger hat zwar durchaus eigene Nationalsprachen, sie sind in den Schulen jedoch nicht anerkannt. Die Konsequenz: Schulabbr\u00fcche und geringere Karrierechancen.\u00a0Um dem entgegenzuwirken, f\u00f6rdert die nigrisch-deutsche Initiative\u00a0<em><a href=\"https:\/\/matenikani.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mate ni kani<\/a><\/em>\u00a0die nigrischen Nationalsprachen und entwickelt zweisprachige Kinder- und Jugendb\u00fccher in den einheimischen Sprachen und Franz\u00f6sisch. Die gesamte Produktion dieser B\u00fccher erfolgt in Niger, wodurch nicht nur lokale Autor*innen und Illustrator*innen unterst\u00fctzt werden, sondern die Wertsch\u00f6pfungskette und Wertsch\u00e4tzung im Land bleibt. Dar\u00fcber hinaus fungiert\u00a0<em>Mate ni kani<\/em>\u00a0als Assoziation f\u00fcr Frauen und bietet diverse Seminare und Konferenzen an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einer der Internationalen Bremer Friedenspreises der Stiftung&nbsp;<em>die schwelle&nbsp;<\/em>geht dieses Jahr an Mate ni kani. In der Woche vor der Preisverleihung am 8. Mai bot sich Student*innen der Frankoromanistik die M\u00f6glichkeit, mit Vertreter*innen der Initiative ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Bei einem Seminarbesuch konnten sie die vielf\u00e4ltigen Facetten der Arbeit von&nbsp;<em>Mate ni kani<\/em>&nbsp;kennenlernen. Sie erfuhren etwa, dass in Niger zehn Nationalsprachen gesprochen werden, die wiederum in Dialekte unterteilt sind. Diese Sprachen sind eng mit verschiedenen Ethnien verbunden und reichen zum Teil \u00fcber die Landesgrenzen hinaus. Kamerun z\u00e4hlt zum Beispiel ganze 250 Nationalsprachen. Wer nun meint, dass das Franz\u00f6sische dennoch als Schrift- und Bildungssprache ben\u00f6tigt w\u00fcrde, liegt falsch. Denn die Nationalsprachen sind allesamt standardisiert und lexikalisiert worden. Allerdings sind sie \u2013 und werden es noch heute! \u2013 kolonialistisch und rassistisch entwertet.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"834\" src=\"https:\/\/canoff.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Mate-ni-kani-1024x834.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1950\" style=\"aspect-ratio:1.2278405710886378\" srcset=\"https:\/\/canoff.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Mate-ni-kani-1024x834.jpeg 1024w, https:\/\/canoff.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Mate-ni-kani-300x244.jpeg 300w, https:\/\/canoff.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Mate-ni-kani-768x626.jpeg 768w, https:\/\/canoff.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Mate-ni-kani-1536x1252.jpeg 1536w, https:\/\/canoff.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Mate-ni-kani-2048x1669.jpeg 2048w, https:\/\/canoff.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Mate-ni-kani-245x200.jpeg 245w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00a9 Ella Schulz<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen eine solche Entwertung steuert nun die Initiative&nbsp;<em>Mate ni kani.<\/em>&nbsp;Bei der Diskussion erkl\u00e4rte Dr. Aissatou Bouba, dass die Anforderung des Franz\u00f6sischen in Niger einen didaktischen Fehler darstellt, denn es wurde in der Kolonialzeit nicht als Bildungssprache, sondern als reine Befehlssprache eingef\u00fchrt. Und auch nach der Kolonialzeit ist dieser Fehler nicht behoben worden. Franz\u00f6sisch wird weiterhin als Fremdsprache behandelt: in den Schulen und Universit\u00e4ten ist es zwar die Erstsprache, in den privaten R\u00e4umen der Nigrer*innen jedoch weiterhin die Zweitsprache&#8230; verst\u00e4ndlicherweise.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Schwerpunkt des Austauschs zwischen den Initiative-Mitarbeiter*innen und den Student*innen lag auf dem heutigen Bildungssystem in Niger.&nbsp;<em>Mate ni kani<\/em>&nbsp;unterst\u00fctzt die Einrichtung zweisprachiger Schulen, in denen sowohl in den Nationalsprachen als auch auf Franz\u00f6sisch unterrichtet wird. Dieses Konzept, das bereits seit den 1970er Jahren existiert, hat sich seit 2015 verst\u00e4rkt durchgesetzt und es sind mittlerweile fast alle Nationalsprachen vertreten. Zudem sprechen viele nigrische Sch\u00fcler*innen eine zweite Nationalsprache. Somit ist ihnen eine solide Grundlage f\u00fcr ihre Weiterbildung gegeben. Dennoch, so Bako Malam Abdou \u2013 einer der nigrischen Vertreter von&nbsp;<em>Mate ni kani<\/em>, der zu der Preisverleihung aus Niger angereist war \u2013&nbsp;ist ein schulischer Werdegang mindestens bis zum coll\u00e8ge n\u00f6tig, um beide Sprachen auch schriftlich zu beherrschen.&nbsp;Auch bestehe der Wunsch nach Bildung f\u00fcr alle Kinder von allen Seiten \u2013 unabh\u00e4ngig vom Geschlecht oder dem Bildungsweg der Eltern. Die Herausforderung liegt also nicht in Kultur, Tradition, oder der Einstellung der Sch\u00fcler*innen, sondern in der Verf\u00fcgbarkeit von Material und finanziellen Mitteln.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Diskussion zwischen den Beteiligten der Initiative&nbsp;<em>Mate ni kani<\/em>&nbsp;und den Student*innen der Universit\u00e4t Bremen hat gezeigt, wie der Austausch von Ideen und Erfahrungen die Perspektiven erweitern und neue Wege der Zusammenarbeit er\u00f6ffnen kann. Die Zukunft von&nbsp;<em>Mate ni kani<\/em>&nbsp;sieht vielversprechend aus. Die Initiative strebt danach, die Nationalsprachen weiter zu st\u00e4rken und Bildung f\u00fcr alle zug\u00e4nglich zu machen. Am Ende bleibt die Frage, ob Franz\u00f6sisch als offizielle Sprache \u00fcberhaupt die besten Ergebnisse erzielen kann. Frankophonie bedeutet nun mal mehr als nur Franz\u00f6sisch.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Bericht von Ella Schulz, Studentin der Romanistik an der Universit\u00e4t Bremen Stellen Sie sich ich vor, Sie kommen in die Schule und sollen in einer Sprache lesen und schreiben, die sie nicht einmal m\u00fcndlich beherrschen \u2013 so geht es vielen Kindern in Niger. 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